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2018.08.07 - 

Sie muss selbstverständlich schlank sein, sagt was wir auf den Laufstegen der Modedesigner zu sehen bekommen. Wenn wundert also, dass sich zwei Drittel der weiblichen Menschheit zu dick fühlt, unzufrieden mit dem eigenen Äußeren und lebenslänglich vom Wunsch abzunehmen beseelt ist. Dieses Ideal ist jedoch keineswegs selbstverständlich und historisch gesehen ist es zudem eine eher neue und recht ungewöhnliche Erscheinung.

Schlank zu sein ist ein Ideal das erst im 20. Jahrhundert entstanden ist, denn bis dahin galt Frau als attraktiv, wenn sie reichlich mit kurvigen Attributen ausgestattet war. Ein Blick auf alte Meister, wie etwa Rubens, machen deutlich, dass Frauen damals nach heutigen Maßstäben eindeutig dick waren. Eine Idee von Diät gab es gar nicht. Heute ist die Nahrungsmittelversorgung der modernen, westlichen Welt weitgehend gesichert. Niemand leidet Hunger. Damit hat das überschüssige Fettrüschchen am Allerwertesten seine Symbolkraft für Reichtum verloren. Viel mehr wird mittlerweile in Industrienationen wie etwa der USA anhaltend starkes Übergewicht eher der sozialen Unterschicht zugeordnet.  

„Die drei Grazien“, Rafael (Raffaello Sanzio da Urbino 1505)

Schlankheit hat also mit wirtschaftlichen Wohlstand zu tun. Und tatsächlich werden dickere Frauen in ärmeren Ländern eher als schön empfunden (Anderson, 1992). Gerade in traditionellen Kulturen, in denen Frauen noch immer vorwiegend die Rolle der Hausfrau und Mutter zugeschrieben wird, sind füllige Erscheinungen bevorzugt. Offenbar ist also das weibliche Schönheitsideal auch von gesellschaftlichen Einflüssen geprägt.

Allerdings gibt es doch eine Konstante: Den sogenannten WHR. Er bezeichnet das Verhältnis von Taille zu Hüfte (Waist-to-Hip-Ratio). Unabhängig von der Leibesfülle, liegt er etwa bei 0,7*).

Viel zitierter Forscher zum Thema WHR ist Devendra Singh. Er führte in den 90er Jahren eine Reihe von Untersuchungen durch, die sich mit dem WHR-Ideal von 0,7 beschäftigten. Oft zitiert ist seine Untersuchungen, nach der alle Siegerinnen von „Miss-Amerika-Wahlen“ von 1920 bis in die 80er Jahre eine WHR zwischen 0,72 und 0,69 besessen haben sollen. Bei Playboy-Models soll sie zwischen 0,71 und 0,68 gelegen haben. Das ideale Taillen-Hüfte-Verhältnis lag demnach also über Jahrzehnte konstant bei etwa 0,7, obwohl das Körpergewicht der Models keineswegs konstant blieb. Schönheitsikonen wie Marilyn Monroe, Sophia Loren, Twiggy und Kate Moss gehörten durchaus unterschiedlichen Gewichtsklassen an sollen angeblich alle eine WHR von etwa 0,7 gehabt haben.

Schönheit liegt also sehr stark im Auge des Betrachters. Entspannen wir uns also. Es müssen keineswegs immer gleich 10 oder 20 Kilo sein, die weg müssen. 3 oder 5 Kilo können im Auge des Betrachters vielleicht sogar viel mehr bewirken.

 

 

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